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Ein Spezialist aus St. Petersburg, German Zubov, wird von den Verteidiger*innen der Angeklagten im Fall der terroristischen Vereinigung „Netzwerk“ zu einer unabhängigen Prüfung der Aufzeichnungen der „Abhörung“ von Gesprächen vorgeladen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft diskutierten Ilya Shakursky und Vlad Dobrovolsky über die wirtschaftliche und politische Krise im Land und über die Vorbereitungen für die “Revolution”, zu der es folglich in Russland kommen könnte. Die Netzwerk-Fallakte enthält eine Untersuchung von 48 Aufzeichnungen solcher Gespräche. Es wurde von den Expert*innen Maria Komleva und Alexei Leontyev des Föderalen Sicherheitsdienstes Russlands in der Samara-Region durchgeführt.

Ende Juli 2019 wandten sich die Anwälte der Angeklagten an eine nichtstaatliche forensische Einrichtung – die autonome gemeinnützigen Organisation „Forensisches Labor für audiovisuelle Dokumente“ (ANO „KLAD“) in St. Petersburg, um die Ergebnisse der phonografischen Untersuchung besser bewerten zu können. German Zubov ist Spezialist für Video und Videoerfahrung mit mehr als 25 Jahren Erfahrung. Das Ziel von KLAD bestehe darin, “die Beurteilung der Schlussfolgerung von [den FSB-Experten] gemäß dem geltenden Gesetz zu unterstützen”.

In der Sitzung am 16. September machten die Richter ausführlich klar, auf welcher Grundlage die Anwälte beschlossen, „die Expertise einer Einrichtung durch eine andere zu prüfen“. Oksana Markeeva, die Anwältin von Dmitry Pchelintsev, erklärte, warum die Verteidigung eine unabhängige Beurteilung benötige:

“Das Schicksal der jungen Menschen wird entschieden”, sagte Markeeva. „Weder der Prüfer noch die Verfahrensbeteiligten verfügen über besondere Kenntnisse auf dem Gebiet der Linguistik und Phonoskopie [Identifizierung einer Person durch Stimme]. Ich habe mich an eine Experteninstitution gewandt, um die Schlussfolgerung [des FSB] zu bewerten: ob die Methodik richtig angewendet wurde, welche Software verwendet wurde, und ob es vollständig ist. Viele Audioaufnahmen sind nicht miteinander verbunden, es gibt Inkonsistenzen. Deshalb hatten wir [die Anwälte der Angeklagten] eine Frage: Gab es einen „Zusammenschnitt“?“

Die Verteidiger hatten während der Untersuchung der FSB-Expertisedas Gericht bereits dreimal über eine mögliche Montage informiert.

Trotz Einwände des Staatsanwaltes Sergei Semerenko rief der Richter Yuri Klubkov den eingetroffenen German Zubov in den Gerichtssaal.

German Zubov sprach und zeigte anderthalb Stunden lang, was mit der FSB-Expertise nicht stimmte. Die Untersuchung von „KLAD“ erhielten Unterlagen, einschließlich Kopien von Akten mit den gleichen 48 Tonträgern, die von FSB-Experten untersucht wurden. Die FSB-Experten haben etwa 40 Kalendertage lang Tonträger untersucht. Laut einem unabhängigen Experten bräuchten sie aber doppelt so viel Zeit, wenn sie alles streng nach Vorschrift machen würden. Die unabhängige Spezialisten brauchten allein etwa einen Monat, um die Expertise des FSB zu bewerten.

„Die Ergebnisse unserer Bewertung sind im Gegensatz zu den Schlussfolgerungen der FSB-Experten überprüfbar und wiederholbar. Gleichzeitig haben wir nichts verwendet, was die FSB-Experten nicht auch genutzt haben“, fügte Zubov hinzu.

Unter anderem sagte Zubov in dem Prozess, dass der Inhalt des Gutachtens, hauptsächlich in Bezug auf Identifizierungsforschung, nicht die Kriterien der Wissenschaftlichkeit erfüllt: Wiederholbarkeit und Überprüfbarkeit.

Ihm zufolge führten die Experten des Samara FSB keine vollständige sprachliche Analyse durch, führten überhaupt keine Mikroanalyse durch, was zu einem objektiven Ergebnis bei der Ermittlung der Identität einer Person durch ein Gespräch führt. Außerdem basieren die Ergebnisse der verschiedenen Untersuchungsarten, die im Expertenbericht des FSB vorgestellt wurden, nur auf einer unvollständigen Analyse und tels bloß auf Metadaten der Dateien, nicht jedoch der Tonträger selbst “, so die Ergebnisse der ANO-Experten von„ KLAD “.

Staatsanwalt Sergei Semerenko bezweifelte die Schlussfolgerungen eines unabhängigen Sachverständigen und fragte, warum er die Expertise des FSB für unzuverlässig halte.


“Ich halte sie nicht nur für unzuverlässig”, erklärte Zubov. „Es ist durch objektive Daten bestätigt, die in der Stellungnahme des Sachverständigen enthalten sind. Der Experten [des FSB] schöpfen nur maximal 5% ihrer Techniken [zur Untersuchung und Erstellung der Expertise] aus.“


Auf die Frage des Staatsanwaltes Semerenko, ob die Expertise also an den Haaren herbeigezogen sei, antwortet Zubov “Ich weiß nicht, wie ich es nennen soll – aber ja.“

Für Ende September ist geplant die beiden Expert*innen Alexei Leontyev und Maria Komlev vorzuladen.

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Datum

16 September 2019

Rubrik

Neuigkeiten

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