{"id":5664,"date":"2020-07-13T17:19:00","date_gmt":"2020-07-13T14:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rupression.com\/?p=5664"},"modified":"2020-07-13T17:19:04","modified_gmt":"2020-07-13T14:19:04","slug":"urteil-im-fall-netzwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rupression.com\/de\/2020\/07\/13\/urteil-im-fall-netzwerk\/","title":{"rendered":"Urteil im Fall \u00bbNetzwerk\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<p>Politische Strafjustiz richtet weniger \u00fcber begangene Taten als \u00fcber die Gesinnung. Am Montag fiel in St. Petersburg das Urteil gegen zwei Antifaschisten im \u00bbNetzwerk\u00ab-Fall. Sieben und f\u00fcnfeinhalb Jahre Freiheitsentzug verh\u00e4ngte das zust\u00e4ndige Milit\u00e4rgericht gegen Viktor Filinkow und Julij Bojarschinow bei einer m\u00f6glichen H\u00f6chststrafe von zehn Jahren. Beide sollen einer terroristischen Zelle angeh\u00f6rt haben, die in Verbindung zu zwei Gruppen in der Stadt Pensa stand. Dort endete im Februar der Prozess gegen sieben Angeklagte, darunter auch die vermeintlichen Anf\u00fchrer, mit drakonischen Haftstrafen zwischen sechs und 18 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0489-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0489-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2587\"\/><\/a><figcaption><em>Foto uw<\/em><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><br><br><br>Im Januar 2019 war in St. Petersburg das erste Urteil in dem Fall verh\u00e4ngt worden: Igor Schischkin, der seit Ermittlungsbeginn mit dem f\u00fcr Terrorismusdelikte zust\u00e4ndigen Inlandsgeheimdienst FSB kooperierte, erhielt dreieinhalb Jahre. Bojarschinow legte erst nach l\u00e4ngerer Untersuchungshaft unter absolut unzul\u00e4ssigen Bedingungen ein Gest\u00e4ndnis ab. Weil bei ihm eine geringe Menge Schwarzpulver gefunden worden war, legte ihm das Gericht au\u00dferdem illegalen Sprengstoffbesitz zur Last. Worin die konkreten Vergehen des 25 Jahre alten Filinkow bestanden haben sollen, bleibt ein Geheimnis des FSB. Vor Gericht legte weder die Anklage \u00fcberzeugende Beweise vor, noch konnten Zeugenaussagen zur Kl\u00e4rung der Vorw\u00fcrfe beitragen, wonach die Petersburger \u00bbNetzwerk\u00ab-Mitglieder einen Sturz der verfassungsrechtlichen Ordnung herbeif\u00fchren wollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Filinkows letztem Auftritt vor der Urteilsverk\u00fcndung warf er allen an der Ermittlung beteiligten Instanzen Inkompetenz vor. In der Gruppe soll er konspirative Kommunikationsmethoden technisch begleitet haben. Als Informatiker demontierte er gekonnt die gegen ihn vorgebrachten Vorw\u00fcrfe, die v\u00f6llige Unkenntnis in Bezug auf verschl\u00fcsselte Internetkommunikation und die Nutzung frei zug\u00e4nglicher weit verbreiteter Online-Kommunikationsdienste wie Jabber verrieten. \u00bbWas die Anklage als ausgefeilte Konspiration ausgibt, ist keine ausgefeilte Konspiration\u00ab, sagte Filinkow.<\/p>\n\n\n\n<p>Als zentrale Beweismittel f\u00fcr die Existenz des \u00bbNetzwerks\u00ab dienten zwei Dokumente: Ein programmatischer Text, der eine Beschreibung der Zielsetzung und Gruppenstruktur enth\u00e4lt, und das Protokoll eines Treffens vom Februar 2017. Beide Dateien fanden sich auf Computern der Marke Toshiba, die bei Hausdurchsuchungen bei in Pensa verurteilten Antifaschisten sichergestellt worden waren. Allerdings wies die Verteidigung auf zahlreiche Ungereimtheiten in den Gerichtsakten hin. So taucht in den Durchsuchungsprotokollen als Fundort ein Notebook einer anderen Marke auf, das allerdings keine Festplatte enthalten haben soll. Laut einem Gutachten wurden die Dateien nach der Festnahme des Besitzers manipuliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht durchsetzen konnte sich die Verteidigung mit ihrem Antrag auf Vorladung eines aus ihrer Perspektive zentralen Zeugen. Filinkow berichtete als erster der verurteilten Antifaschisten wenige Tage nach seiner Festnahme im Februar 2018 davon, mit Elektroschocks gef\u00fcgig gemacht worden zu sein. Der mutma\u00dflich an der Folterung beteiligte FSB-Ermittler Konstantin Bondarew h\u00e4tte vor Gericht dazu Stellung nehmen und zudem dar\u00fcber aufkl\u00e4ren k\u00f6nnen, wie es ihm m\u00f6glich war, Einsicht in eine der oben erw\u00e4hnten Dateien zu nehmen \u2014 volle zwei Monate vor deren offiziellen Auffinden. Der harte Urteilsspruch erweckt den Eindruck, dass Filinkows gr\u00f6\u00dfte Schuld in seinem Mut besteht, nicht klein beizugeben. Nach der Urteilsverk\u00fcndung wurden bei Protesten 30 Menschen verhaftet.<\/p>\n\n\n\n<p>ute weinmann<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1138194.urteil-im-fall-netzwerk.html\">nd<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.radioeins.de\/programm\/sendungen\/modo1619\/_\/prozess-gegen--terroristische-vereinigung-.html\">RADIO RBB<\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0185-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0185-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2595\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0193-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0193-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2597\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0218-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0218-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2588\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0263-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0263-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2589\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0403-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0403-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2590\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0481-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0481-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2591\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0541-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0541-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2592\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0562-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/utka.noblogs.org\/files\/2020\/06\/Piter_ijun20_0562-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2593\"\/><\/a><figcaption><em>Foto uw<\/em><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politische Strafjustiz richtet weniger \u00fcber begangene Taten als \u00fcber die Gesinnung. 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