{"id":5082,"date":"2019-09-20T17:33:00","date_gmt":"2019-09-20T14:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rupression.com\/?p=5082"},"modified":"2020-02-13T17:36:19","modified_gmt":"2020-02-13T14:36:19","slug":"pensa-prozesstag-45-anhoerung-von-michael-kulkov","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rupression.com\/de\/2019\/09\/20\/pensa-prozesstag-45-anhoerung-von-michael-kulkov\/","title":{"rendered":"Pensa. Prozesstag 45. Anh\u00f6rung von Michael Kulkov"},"content":{"rendered":"\n<p>Kulkov ist einer der Angeklagten im Fall der terroristischen Vereinigung \u201eNetzwerk\u201c. Er absolvierte nach der Musikschule die Handels- und Wirtschaftsschule in Pensa mit einem Abschluss als Kochtechnologe, diente bei der Armee an der Grenze zur Mongolei in der Stadt Kyachta (Burjatien) und war Signalist. Nach der Armee kehrte er nach Penza zur\u00fcck, arbeitete in \u00f6ffentlichen Gastst\u00e4tten und tr\u00e4umte davon, ein eigenes Fastfood-Restaurant zu er\u00f6ffnen. Kurz vor der Verhaftung erhielt er eine Bescheinigung f\u00fcr ein Einzelunternehmen, fand eine R\u00e4umlichkeit und wollte Utensilien besorgen.<\/p>\n\n\n\n<p><br> Zum ersten Mal wurde Kulkov am 30. M\u00e4rz 2017 wegen des Verdachts des Drogenhandels festgenommen &#8211; vor dem \u201eNetzwerk\u201c-Fall. Er bekannte sich schuldig und sa\u00df etwa drei Wochen unter Hausarrest. Ende April 2017 floh er nach Moskau. Das zweite Mal wurde Kulkov am 4. Juli 2018 in Moskau festgenommen &#8211; bereits wegen des Verdachts des Terrorismus und der Beteiligung an der Vereinigung \u201eNetzwerk\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><br> Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war Kulkov im \u201eNetzwerk\u201c ein \u201eArzt\u201c &#8211; er war verantwortlich f\u00fcr die Behandlung bei Schuss- und Sprengwunden, die Evakuierung vom Schlachtfeld und unterrichtete andere Mitglieder des \u201eNetzwerks\u201c dar\u00fcber. Die Mutter von Kulkova, Elena Samonina, sagte w\u00e4hrend ihrer Anh\u00f6rung vor Gericht, dass ihr Sohn nicht mal wisse, welche Pille er bei Kopfschmerzen und welche bei Halsschmerzen nehmen soll.Sein Vater Aleksey Kulkov sagte, sein Sohn habe sich nie f\u00fcr Waffen und Wildtiere interessiert.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Mikhail Kulkov gab seine Schuld am Drogenhandel voll und ganz zu, jedoch nicht an der Beteiligung an der terroristischen Vereinigung \u201eNetzwerk\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Netzwerk<br>\n\u201eIch habe aus dem Internet von dem Fall \u201eNetzwerk\u201c erfahren, w\u00e4hrend ich mich vor den Ermittlungen [im Drogenfall] versteckt hatte. Ich hatte noch nie davon geh\u00f6rt. Ich erinnere mich, wie wir mit Maxim Ivankin [mit dem er von Pensa nach Moskau geflohen war] irgendwo in einem Caf\u00e9 gesessen haben. Wir suchten Arbeit, lasen die Nachrichten, luden Telefone auf. Da erfuhren wir das erste mal vom &#8220;Netzwerk&#8221;.<br>\nKulkov sagte, dass er keine besonderen medizinischen F\u00e4higkeiten besitze und nie Medizin studiert habe, dass er mit der Rolle eines Arztes nicht vertraut sei, dass er nichts \u00fcber Evakuierungsmethoden, Erste Hilfe, Schuss- und Explosionsverletzungen wisse &#8211; \u201eh\u00f6chstens aus irgendwelchen Filmen.\u201c<br>\nVon den in den Fall verwickelten Personen kannte Kulkov nur Iwankin, mit dem er an einer technischen Schule studierte. Shakursky, Pchelintsev und Chernov &#8211; &#8220;Ivankins Freunde&#8221; &#8211; sah er nur bei gemeinsamen Veranstaltungen. Kulkov stellte sich als &#8220;Ilya&#8221; vor &#8211; einfach weil er den Namen mochte.<br>\n\u00dcber Anarchismus und Politik sagte Kulkov, dass er sehr weit davon entfernt sei. Airsoft habe er nicht gespielt, Waffen mochte er nicht: Sein Vater hatte ein Jagdgewehr zu Hause, er hat aber nie damit geschossen. W\u00e4hrend einer der Ausfl\u00fcge schoss er mal auf eine kleine Dose.<br>\n\u201eIm Sommer 2016 bin ich dreimal mitgegangen. Es waren verschiedene Leute da, ich kann mich nicht an alle erinnern. Wir genossen die Natur, machten Lagerfeuer, erholten uns aus. Aber es gab definitiv keine revolution\u00e4ren und terroristischen Ziele. Ich w\u00fcrde mich erinnern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber den geheimen Zeugen &#8220;Snupov&#8221;<br>\nKulkovs Anwalt Igor Kabanov bat seinen Mandanten, sich zur Vernehmung eines geheimen Zeugen unter dem Pseudonym \u201eSnupov\u201c zu \u00e4u\u00dfern. Diesen hatte das Gericht am 19. und 20. Juni zusammen mit anderen geheimen Zeugen im Fall \u201eNetzwerk\u201c angeh\u00f6rt. Damals sagte \u201eSnupov\u201c, dass er Ende August 2018 am Versammlungspunkt des Untersuchungsgef\u00e4ngnisses einen Mann namens Mikhail getroffen habe. Laut dem Zeugen h\u00e4tte ihm dieser Mann gesagt, dass er ein Jahr im Wald gelebt habe und manchmal mit Freunden mit Waffen trainiert habe. Laut Snupov soll ihm Mikhail gesagt haben, dass &#8220;das man arm lebt&#8221; in Russland und &#8220;wir uns auf einen B\u00fcrgerkrieg vorbereiten m\u00fcssen&#8221;. Laut dem Anwalt Igor Kabanov hat \u201eSnupov\u201c bei der Beschreibung des Gefangenen, der angeblich Kulkov sein soll, mindestens zwei Fehler gemacht &#8211; hinsichtlich K\u00f6rperbau und Haarfarbe. Das Aussehen von Kulkov stimmte nicht mit den Beschreibungen \u00fcberein, die Snupov dem Gericht gegeben hatte. W\u00e4hrend der Vernehmung von \u201eSnupov\u201c vor Gericht fragte der Anwalt Kabanov auch, warum er die Protokolle seiner Vernehmungen w\u00e4hrend der Ermittlungen wortw\u00f6rtlich wiederholt. Snupov antwortete, dass er &#8220;nur ein gutes Ged\u00e4chtnis&#8221; habe.<br>\n&#8220;Dieser Zeuge hat nichts mit mir zu tun, er hat eine ganz andere Person beschrieben&#8221;, sagte Michail Kulkow w\u00e4hrend der Vernehmung vor Gericht. \u201eUnd er wiederholt nur auswendiggelernte Formulierungen.\u201c<br>\nAu\u00dferdem konnte er zu genanntem Zeitpunkt nicht zusammen mit anderen Gefangenen am Versammlungspunkt gewesen sein, so Kuksov. <br>\n&#8220;Wir durften niemanden sehen und niemand uns.Wir haben Artikel 205 [Terrorismus]. Selbst wenn sie uns von einem zu anderen Geb\u00e4ude f\u00fchrten, wo auch andere Gefangene entlanggef\u00fchrt wurden, dann haben sie entweder mich oder die andere Person irgendwo kurz versteckt\u201c, erkl\u00e4rte Kulkov.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber Drogen<br>\nKulkov sagte, dass er Anfang 2017 einen Nebenjob \u00fcber das soziale Netzwerk von VKontakte suchte. Zu dieser Zeit arbeitete er als Koch und verdiente weniger als 15 Tausend Rubel. Einer der Anzeigen zufolge wurde ihm angeboten, den Xabber-Messenger zu installieren und dann \u2013 Lieferungen machen zu setzen. Eine Lieferung habe 200 Rubel gekostet. Wie viele Lieferungen er schaffte und wie viel er in drei Monaten verdiente, wusste der Angeklagte nicht mehr. Laut Kulkov hat er Geld sparen wollen, um sein Catering-Gesch\u00e4ft zu er\u00f6ffnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Er wurde am 30. M\u00e4rz 2017 festgenommen und unter Hausarrest gestellt. Das Gesamtgewicht der Drogen, die Kulkow nach Angaben der Staatsanwaltschaft verteilte, betrug 17,396 Gramm. Er teilte dem Gericht mit, dass er Kunden am Telefon Lieferadressen diktiere. Bei seiner Verhaftung zeigte er den Ermittlern Audioaufnahmen mit Lieferungen, so dass sie diese beschlagnahmten. Drei Wochen sp\u00e4ter verschwand er zusammen mit Iwankin aus dem Hausarrest, was ihm \u201eleid tut\u201c und was er \u201ebereut\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kulkov ist einer der Angeklagten im Fall der terroristischen Vereinigung \u201eNetzwerk\u201c. Er absolvierte nach der Musikschule die Handels- und Wirtschaftsschule in Pensa mit einem Abschluss als Kochtechnologe, diente bei der Armee an der Grenze zur Mongolei in der Stadt Kyachta (Burjatien) und war Signalist. 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