{"id":5070,"date":"2019-10-03T17:21:00","date_gmt":"2019-10-03T14:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rupression.com\/?p=5070"},"modified":"2020-02-13T17:25:25","modified_gmt":"2020-02-13T14:25:25","slug":"penza-prozesstag-49-verhoer-von-maxim-ivankin-das-gericht-fuegte-der-akte-die-schlussfolgerung-der-unabhaengigen-beobachtungskommission-bezueglich-der-folter-hinzu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rupression.com\/de\/2019\/10\/03\/penza-prozesstag-49-verhoer-von-maxim-ivankin-das-gericht-fuegte-der-akte-die-schlussfolgerung-der-unabhaengigen-beobachtungskommission-bezueglich-der-folter-hinzu\/","title":{"rendered":"Penza. Prozesstag 49. Verh\u00f6r von Maxim Ivankin. Das Gericht f\u00fcgte der Akte die Schlussfolgerung der unabh\u00e4ngigen Beobachtungskommission bez\u00fcglich der Folter hinzu"},"content":{"rendered":"\n<p>Das Milit\u00e4rgericht des Wolga-Bezirks f\u00fcgte den Fall-Materialien die Ergebnisse der \u00d6ffentlichen Beobachtungskommmission zur Folter  vom am 4. Februar und 16. Oktober 2018 bei.<br>\nDer Angeklagte im Fall \u201eNetzwerk\u201c, Maxim Ivankin, erkl\u00e4rte w\u00e4hrend der Anh\u00f6rung vor dem Landgericht Pensa, er habe im Fall der Terrorgemeinschaft \u201eNetzwerk\u201c unter Druck von FSB-Beamten ein &#8220;Gest\u00e4ndnis&#8221; abgelegt. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>WER IST MAXIM IVANKIN?<\/strong><br> Maxim Ivankin wurde in dem Dorf Bessonovka (7 Kilometer von Penza entfernt) geboren und ist dort aufgewachsen. Er absolvierte die Handels- und Wirtschaftsschule in Pensa mit einem Abschluss als Kochtechnologe und diente in der Nordflotte. W\u00e4hrend der Schule und Hochschule interessierte er sich f\u00fcr Literatur. Nach der Armee konnte Maxim keinen offiziellen Job bekommen. W\u00e4hrend des Prozesses sagte Ivankins Vater, dass sein Sohn &#8220;dort Geld verdient hat, wo sie ihm Geld bezahlt haben&#8221;.<br> Am 30. M\u00e4rz 2017 wurde er wegen des Verdachts des Drogenhandels inhaftiert. Dies geschah vor dem \u201eNetzwerk\u201c-Fall . Er bekannte sich schuldig und erhielt f\u00fcr ungef\u00e4hr zwei Wochen die Auflage, den Ort nicht zu verlassen. Ende April 2017 floh er mit Michail Kulkow nach Moskau, ebenfalls sp\u00e4terer Angeklagter im Netzwerk-Fall.<br> Ivankin und Kulkov wurden am 4. Juli 2018 in Moskau festgenommen &#8211; bereits wegen Terrorismusverdachts und Beteiligung an der Vereinigung \u201eNetzwerk\u201c. Laut der Staatsanwaltschaft war Ivankin &#8220;Sp\u00e4her&#8221; &#8211; er untersuchte das Gel\u00e4nde und die Objekte angeblicher Angriffe, lehrte \u00dcberlebensf\u00e4higkeiten und Topographie.<br> Maxim Ivankin gab die Schuld am Drogenhandel zu, die Teilnahme an der terroristischen Vereinigung \u201eNetzwerk\u201c aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcBER DAS LEBEN VOR DEM \u201eNetzwerk&#8221;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber den &#8220;Blitz&#8221; und den Anarchismus<\/strong><br> \u201eAm College war ich studentischer Aktivist. Bei einem der touristischen Treffen nahm ich am &#8220;Blitz&#8221; teil. Bei einem anderen Mal, wurde \u00fcber Anarchismus diskutierten, und ich begann mich daf\u00fcr zu interessiert. Es hat sich mit studentischen Aktivit\u00e4ten und Musik alles gut gef\u00fcgt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber &#8220;Masyan&#8221;<\/strong><br> \u201eIn den sozialen Netzwerken hatte ich den Fake-Account &#8220;Artem Masyanin&#8221;, sie nannten mich &#8220;Masyan&#8221;. Manchmal nannten sie mich &#8220;Ivan&#8221; &#8211; [abgeleiteter Name] vom Nachnamen. Ich habe damit angefangen, als die Neonazi-Bewegung in Pensa eskalierte. Im College h\u00f6rte ich, wie \u00fcber [Ilya] Shakursky gesprochen wurde, der auf YouTube ber\u00fchmt wurde [das Video \u201eDer Mann, der von Nazis umzingelt ist und keine Angst hatte, seine Meinung zu \u00e4u\u00dfern\u201c vom 7. Dezember 2016 mit  mehr als 600.000 Aufrufen auf YouTube].\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber penzaer Neonazis<\/strong><br> \u201eMan musste sich vor Neonazis und Radikalen in Acht nehmen. Sie [die Neonazis] empfanden jede informelle Erscheinung als \u201eeine rote Socke\u201c. Es kam zu Zusammenst\u00f6\u00dfen [von Antifaschisten mit Neonazis].\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber die Beziehungen zu Personen, die am &#8220;Netzwerk&#8221; beteiligt sind<\/strong><br> \u201eVon allen [Angeklagten] kenne ich nur [Mikhail] Kulkov &#8211; seit 2010 sind wir in derselben Klasseim College &lt;\u2026>. Ich habe [Ilya] Shakursky in den Jahren 2010\u20132012 auf Veranstaltung getroffen, und wir waren uns \u00fcber antifaschistische Ansichten einig. Als ich Konflikte wegen meines informellen Aussehens hatte, begann ich Thai-Boxen. Dort habe ich [Andrey] Chernov getroffen, es war im Jahr 2013. Ich traf [Dmitriy] Pchelintsev nach der Armee im Jahr 2016 beim freemarket [Kleidertausch]. Sagynbaev traf ich im Jahr 2017.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber Wandern und Schie\u00dfen<\/strong><br> \u201eIch schie\u00dfe seit der Schulzeit. Im Herbst 2016 kaufte ich [ein Jagdgewehr], eine &#8220;Saiga&#8221;, zum Zwecke des Sportes. &lt;\u2026> Als ich [Dmitry] Pchelintsev traf, war er an einem Schie\u00dfstand t\u00e4tig. Einmal ging ich zu ihm [zum Schie\u00dfstand]. &lt;\u2026> Im Jahr 2016 zelten die Jungs und ich und wir spielten Airsoft. Es gab verschiedene Szenarien, Schnitzeljagden und Rollenspiele im Wald. Terroristengemeinschaft, Feldg\u00e4nge und Anweisungen von Pchelintsev [nach neuen Mitgliedern f\u00fcr die Vereinigung suchen] &#8211; das ist v\u00f6lliger Unsinn.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcBER DEN DROGENFALL<\/strong><br><strong> \u00dcber Schuldeingest\u00e4ndnis bez\u00fcglich f\u00fcr Drogen<\/strong><br> \u201eIch gebe die Schuld bez\u00fcglich der Drogen zu. Wie ich sp\u00e4ter feststellte, f\u00e4llt das, was ich getan habe, unter den ersten Teil von Artikel 228 des Strafgesetzbuchs [\u201eIllegaler Verkauf und Vertrieb von Drogen\u201c].\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie Lieferungengemacht wurden<\/strong><br> \u201eEnde M\u00e4rz 2017 beschlossen wir [Mikhail] Kulkov und ein anderer Freund, einen Spaziergang zu machen. Er [Kulkov] sagte, dass er Drogen bei sich hatte. [Beim Gehen] b\u00fcckte er sich mehrmals und mir wurde klar, dass er eine Lieferung machte. Das hat mir nicht wirklich gefallen, aber ich wollte es so schnell wie m\u00f6glich zu Ende bringen, und ich half ihm bei der Suche nach Adressen &#8211; er [Kulkov] hat ein schlechtes Sehverm\u00f6gen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber Drogenhaft<\/strong><br> \u201eAls die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden eintrafen, fanden sie nichts bei uns [bei Kulkov], aber sie fanden Abpackungen in der N\u00e4he vor Ort . [Ich] wurde zur Polizei gebracht. Das Verh\u00f6r fand in der Nacht [1. April 2017] in verschiedenen B\u00fcros der [Polizeidienststelle] statt, verschiedene Angestellte kamen. Essen und Schlafen wurde uns nicht erlaubt.<br> \u00dcber das Drogengest\u00e4ndnis<br> \u201eIch habe dem Ermittler freiwillig Zeugnis gegeben. Kulkov bot mir weder an, Drogen zu verteilen, noch bot er mir daf\u00fcr Geld an. Er kannte meine negative Einstellung zu Drogen. Als ich in der Abteilung verh\u00f6rt wurde, fragten sie mich nach dem Auftraggeber der Drogenverteilung. Ich wusste nichts dar\u00fcber.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber die Flucht<\/strong><br> \u201eMein damaliges Wissen reichte nicht f\u00fcr eine ad\u00e4quate Einsch\u00e4tzung des Geschehens aus. Ich wollte nicht, wie ich in diesem Moment annahm, ins Gef\u00e4ngnis. Ich blieb zwei Wochen bei Freunden, kontaktierte [Mikhail] Kulkov, sprachen uns ab und flohen zusammen nach Moskau. Wir verdienten Geld auf Baustellen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcBER DEN NETZWERKFALL<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber die Inhaftierung in Moskau<\/strong><br> \u201eAnfang Juli [2018] gingen wir [Kulkov] spazieren. Wir wurden in sehr rauer Form festgenommen, zu Boden geworfen und in die Abteilung [FSB in Moskau] gebracht. Sie sperrten uns drei Tage lang in Einzelhaft und brachten uns dann in die operative Abteilung der [FSB-Direktion f\u00fcr die Region Pensa].\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber das Verh\u00f6r in Penza<\/strong><br> \u201eIn der operativen Abteilung des FSB in Pensa haben sie mich an die Wand gestellt, es sah l\u00e4cherlich aus. Ich wusste bereits von der Folter von [Dmitry] Pchelintsev und [Ilya] Shakursky aus den Medien. Ich verstand, dass mir etwas \u00c4hnliches passieren k\u00f6nnte. Ich fragte, ob sie mich foltern w\u00fcrden, worauf sie antworteten: &#8220;Nat\u00fcrlich.&#8221; &lt;\u2026> Ich hatte zum damaligen Zeitpunkt bereits K\u00f6rperverletzungen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Auf Druck der FSB-Offiziere<\/strong><br> \u201eSie brachten mich zum Agenten [Vyacheslav] Shepelev: Er stellte sich nicht vor, aber ich fand sp\u00e4ter seinen Namen heraus. Er hat eine schlechte Angewohnheit: Er mag es, scharfe Gegenst\u00e4nde in seinen H\u00e4nde zu drehen und sie einem ins Gesicht zu halten. Schreibwarenmesser, Nadeln. Er wollte, dass ich die gleichen Aussagen mache wie [Dmitry] Pchelintsev, [Ilya] Shakursky, [Egor] Zorin. Er wies darauf hin, dass mit dem \u201e228. Artikel [\u00fcber Drogen] alles gut wird\u201c und dass \u201eandere Leute Gest\u00e4ndniserkl\u00e4rungen abgeben werden\u201c. Mir wurde klar, dass sie erneut gefoltert wurden. [Shepelev] sagte, was passieren w\u00fcrde, wenn ich mich weigere. Ich wollte nicht meine Gesundheit verlieren, es war wirklich be\u00e4ngstigend.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber das Zeugnis der &#8220;Einpaukerei&#8221;<\/strong><br> \u201eSie gaben mir die Gest\u00e4ndnisse von Zorin, Shakursky und Pchelintsev \u00fcber terroristische Aktivit\u00e4ten zu lesen und lie\u00dfen mich die Nacht unter der Treppe in einem K\u00e4fig verbringen. Sie zeigten mir die Dokumente &#8220;Kodex&#8221;und &#8220;Position&#8221;. Ich las sie. Von mir wurde gefordert, dass ich die Wanderungen mit den Worten \u201eFeldausg\u00e4nge\u201c beschreibe, die Worte \u201eKampfzellen\u201c und \u201edie derzeitige Regierung und die Verfassungsordnung st\u00fcrzen\u201c verwende. Im Leben dr\u00fcckte ich mich nicht so aus, wie w\u00e4hrend des Verh\u00f6rs. In dieser Nacht habe ich kaum geschlafen. Ichberief mich auf den 51 Artikel der Verfassung [Weigerung, gegen sich und seine Verwandten auszusagen]. Er bekannte mich nicht schuldig.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zum \u201eTrost\u201cder FSB-Offiziere<\/strong><br> \u201eVor der \u00dcberf\u00fchrung in die Untersuchungshaftanstalt kam  [FSB-Agent Wjatscheslaw] Shepelev erneut zu mir. Als er erfuhr, dass ich mich auf den 51. Artikel bezogen hatte, entglitt ihm das Gesicht, dass ich bereute, mich auf ihn bezogen zu haben. Ich tr\u00f6stete ihn, dass ich alles zugeben w\u00fcrde, nur bisher schlecht die Zeugnisse der Jungs studiert hatte. Er sagte, dass er mit mir wie mit den anderen Jungs arbeiten m\u00fcsse. &lt;\u2026> Einige Tage sp\u00e4ter wurde ich zur Vernehmung beim FSB aus der Untersuchungshaftanstalt entlassen. &lt;\u2026> Das Verh\u00f6r wurde von [FSB-Ermittler Valery] Tokarev durchgef\u00fchrt. Shepelev drohte mir mit dem gleichen Schicksal der anderen [Angeklagten]. Deshalb habe ich den Anw\u00e4lten nicht gesagt, wie ich das Gest\u00e4ndnis gegeben habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Milit\u00e4rgericht des Wolga-Bezirks f\u00fcgte den Fall-Materialien die Ergebnisse der \u00d6ffentlichen Beobachtungskommmission zur Folter vom am 4. Februar und 16. Oktober 2018 bei. Der Angeklagte im Fall \u201eNetzwerk\u201c, Maxim Ivankin, erkl\u00e4rte w\u00e4hrend der Anh\u00f6rung vor dem Landgericht Pensa, er habe im Fall der Terrorgemeinschaft \u201eNetzwerk\u201c unter Druck von FSB-Beamten ein &#8220;Gest\u00e4ndnis&#8221; abgelegt. WER IST MAXIM<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":2733,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[46],"tags":[],"class_list":["post-5070","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neuigkeiten"],"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rupression.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5070","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rupression.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rupression.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rupression.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rupression.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5070"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/rupression.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5070\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5073,"href":"https:\/\/rupression.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5070\/revisions\/5073"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rupression.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2733"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rupression.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rupression.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5070"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rupression.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}