{"id":4127,"date":"2019-05-28T15:36:27","date_gmt":"2019-05-28T12:36:27","guid":{"rendered":"https:\/\/rupression.com\/?p=4127"},"modified":"2019-09-27T15:37:56","modified_gmt":"2019-09-27T12:37:56","slug":"penza-prozesstag-6-und-7-verhoer-von-jegor-sorin-zusammenfassung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rupression.com\/de\/2019\/05\/28\/penza-prozesstag-6-und-7-verhoer-von-jegor-sorin-zusammenfassung\/","title":{"rendered":"Penza. Prozesstag 6 und 7. Verh\u00f6r von Jegor Sorin (Zusammenfassung)"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Landgericht Pensa\nwurden am 27. und 28. Mai der erste Zeuge der Staatsanwaltschaft,\nJegor Zorin, befragt. Er ist ein ehemaliger Angeklagten im Falls, der\nsein Gest\u00e4ndnis unterschrieb und vom Angeklagten zum Zeugen wurde.\nDie Befragung im Pensa Fall dauert acht Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Person. Der\n\tStudent Jegor Zorin aus Pensa war der erste der elf Inhaftierten im\n\t&#8220;Netzwerk&#8221;-Fall. Er wurde am 17. Oktober 2017 vom\n\tInlandsgeheimdienst FSB in der Region Pensa inhaftiert. Bei ihm\n\twurden angeblich Drogen gefunden. Er verbrachte zwei Monate in der\n\tU-Haft, bevor er in den Hausarrest \u00fcberstellt wurde. Den\n\tAngeh\u00f6rigen des Angeklagten zufolge war es Jegor Zorins Aussage\n\tbeim FSB, die die Grundlage f\u00fcr die Einleitung eines\n\tStrafverfahrens und die Festnahme von Verd\u00e4chtigen im\n\t&#8220;Netzwerk&#8221;-Fall bildete. Im September 2018 wurde die\n\tstrafrechtliche Verfolgung von Jegor Zorin bez\u00fcglich der\n\tOrganisation einer terroristischen Vereinigung eingestellt. Gem\u00e4\u00df\n\tArtikel 228 des Strafgesetzbuches der Russischen F\u00f6deration \u00fcber\n\tDrogen wurde er am 22. November 2018 vom Bezirksgericht Pensa zu 3\n\tJahren Bew\u00e4hrung verurteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Petersburger Fall.\n\tDas Milit\u00e4rgericht des Moskauer Bezirks verh\u00f6rte Zorin als Zeugen\n\tim St. Petersburger Fall bereits am 15. Mai. W\u00e4hrend des Verh\u00f6rs\n\tsagte er, dass er \u00fcber die Existenz der \u201eNetzwerk\u201c -Vereinigung\n\tBescheid wusste, seit er auf der Zusammenkunft ihrer Zellen im\n\tFebruar 2017 in St. Petersburg war, zudem er von seinem Kommilitone\n\tIlya Shakursky eingeladen wurde. Zweck der Vereinigung bestehe laut\n\tZorin darin, zu verhindern, dass die Strafverfolgung die\n\tB\u00fcrgerunruhen niederschl\u00e4gt. Die Teilnehmer*innen der \u201eNetzwerk\u201c\n\t-Zellen bereiteten sich auf den Schutz der Zivilbev\u00f6lkerung im\n\tFalle eines Konflikts mit dem Staat vor. Nach der Zusammenkunft habe\n\ter die Teilnahme an Gemeindeaktivit\u00e4ten eingestellt und sich nicht\n\tmehr f\u00fcr das Leben seiner ehemaligen Mitstreiter*innen\n\tinteressiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Pensaer Fall. Zorin\n\tsagte dem Gericht am 27.\/28. Mai, dass er alle Angeklagten au\u00dfer\n\tMaxim Kulkov kenne. Er traf Shakursky 2014, als sie im selben Kurs\n\tstudierten. Sp\u00e4ter traf er Vasily Kuksov. Die drei &#8211; Zorin,\n\tShakursky und Kuksov &#8211; bildeten angeblich die Zelle &#8220;Aufgang&#8221;.\n\t2016 lud ihn Ilya Shakursky zu einem Nahkampf ein, und im Sommer\n\tschlug Zorin Shakursky und Kuksov vor, \u201eeine Wanderung zu\n\tunternehmen und sich zu entspannen\u201c. In der n\u00e4chsten Tour bot\n\tShakursky dar\u00fcberhinaus an zu trainieren. &#8220;W\u00e4hrend der\n\tAusfl\u00fcge war die Rede davon, dass es in unserem Land eine etwas\n\tangespannte Situation gibt und die Beh\u00f6rden keine sehr gute\n\tEinstellung zur Bev\u00f6lkerung haben. Es wurde gesagt, dass es\n\tvielleicht in Zukunft Volksunruhen und Kundgebungen der Opposition\n\tgeben wird. Und es w\u00e4re sch\u00f6n, f\u00fcr sie bereit zu sein. Zu dieser\n\tZeit teilte ich diese Ansicht, dass es &#8230; irgendeine Art von\n\tUngerechtigkeit gibt &#8230; dass die Beh\u00f6rden die Bev\u00f6lkerung\n\tunangemessen behandeln. Deshalb habe ich zugestimmt, zum Training zu\n\tgehen,&#8221; sagte Zorin. Von Sommer 2016 bis M\u00e4rz 2017 fanden laut\n\tihm 9-10 Ausfl\u00fcge statt. Die Rollen in der \u201eAufgang\u201c -Zelle\n\twaren wie folgt verteilt: Shakursky (\u201eIgor\u201c) war ein Sp\u00e4her,\n\tZorin (\u201eGrisha\u201c) war ein Taktiker und Kuksov war ein\n\tMittelsmann, sie hatten aber kein bestimmtes Verbrechen vorbereitet.\n\tIm Winter 2017 traf &#8220;Aufgang&#8221; eine weitere Zelle&nbsp; &#8211;\n\t&#8220;5.11&#8221; &#8211; und trainierte gemeinsam mit ihr. Die Gesichter\n\tder anderen Teilnehmer*innen sah er nicht, da sie Masken trugen,\n\taber konnte sie auf der Zusammenkunft im Februar 2017 in St.\n\tPeterssburg anhand iher &#8220;Stimme und Statur&#8221;\n\twiedererkennen. Dem Zeugen zufolge fanden die Trainings sowohl in\n\tPenza, im Arbekov-Wald,&nbsp; in der N\u00e4he der Stadt Akhuny, in der\n\tBasis des Karasik-Lagers als auch in verlassenen Geb\u00e4uden des\n\tBiosintez-Werks statt. Neben den Angeklagten des Falls waren noch\n\tein Freund von Shakursky, Daniel, seine fr\u00fchere Freundin Victoria\n\tFrolova und zwei junge M\u00e4nner aus Rjasan dabei. Sie trainierten\n\tSchie\u00dfen<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;mit\n\tAttrappen, um bei Volksunruhen ihre interessen mit Waffen\n\tdurchsetzten zu k\u00f6nnen, so Zorin. Zur Zusammenkunft im Februar 2017\n\tin St. Petersburg wurde Zorin wohl von Shakursky eingeladen. Davor\n\twurden Frageb\u00f6gen ausgef\u00fcllt, wie die zuk\u00fcnftigen Aktivit\u00e4ten\n\tder Vereinigung aussehen solle. Dem Zeugen zufolge waren etwa zehn\n\tPersonen aus verschiedenen Regionen auf der Zusammenkunft und die\n\tAntworten aus dem Fragebogen wurden dort diskutiert. Von den\n\tAngeklagten des Falls erinnert sich Zorin, dass Shakursky,\n\tPchelintsev, Chernov und Ivankin sowie die Angeklagten aus St.\n\tPetersburg, Filinkov und Boyarshinov da waren. Zorin und Shakurskiy\n\treisten bereits fr\u00fcher ab. Zorin entschied danach nicht mehr zu den\n\tTrainings zu gehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anw\u00e4lte\n\tversuchten, Zorin auf Ungereimtheiten, u.a. zum Thema &#8220;milit\u00e4rische\n\tAusbildung&#8221; aufmerksam zu machen und fragten, was \u201eTaktik\u201c,\n\t\u201eAnarchismus\u201c, \u201eSouver\u00e4nit\u00e4t\u201c, \u201eKommune\u201c sind, um den\n\tUnterschied zwischen den Begriffen \u201eVerschw\u00f6rung\u201c und\n\t\u201eVerschl\u00fcsselung\u201c, \u201ePr\u00e4sentation von Informationen\u201c und\n\t\u201eSkill-Schulung\u201c zu erkl\u00e4ren. Fragen zu Funkger\u00e4ten,\n\tWaffentypen, Monition und medizinischer Versorgung konnte er\n\tteilweise nicht beantworten bzw. erkl\u00e4ren. Wo sich der Ort der\n\tZusammenkunft genau befand, konnte er nicht sagen. Er war auch nicht\n\tdie ganze Zeit anwesend, da er ein paar mal zum Kauf von Drogen\n\tfortging (die Drogen, die die Beh\u00f6rden im Oktober bei ihm fanden).\n\tAuf Nachfrage der Anw\u00e4lte sagt Zorin aus, dass das Ziel wie der\n\tSturz der Macht und des Verfassungssystems nicht in der Vereinigung\n\tfestgelegt wurde, die Teilnehmer*innen aber diskutierten, dass\n\tKommunen die Macht ersetzen k\u00f6nnten. Zorin erkl\u00e4rt, dass\n\tverschiedene Szenarien dirkutiert wurden &#8211; zum Beispiel, dass es zu\n\tUnruhen w\u00e4hrend w\u00e4hrend der Wahlen kommen k\u00f6nnte &#8211; aber kein Tag\n\tund keine Uhrzeit gannant wurde, und vor allem, dass die\n\tTeilnehmenden der Vereinigung nicht vorhatten an zivilen\n\tVersammlungen teilzunehmen. Viele Fragen die auf Ungereimtheiten\n\taufmerksam machen wollen, kann Zorin nicht beantworten. Ilja\n\tSchakurskijs Anwalt kommentiert: &#8220;Sie erinnern sich an Dinge,\n\tdie f\u00fcr die Anklage wichtig sind und an andere Sachen nicht.&#8221;\n\tPtshcenzevs Anw\u00e4ltin fordert Einsicht in die \u00e4rztlichen Unterlagen\n\tvom tag der Verhatfung am 17. Oktober 2017. In Zorins\n\tBet\u00e4ubungsmitteltest vom 18. Oktober 2017 wurden folgende\n\tSubstanzen gefunden: Methadon [ein synthetisches Medikament aus der\n\tGruppe der Opioide, das als Analgetikum und zur Behandlung von\n\tDrogensucht eingesetzt wird], Diphenhydramin, Opiate, Amphetamine,\n\tsynthetische Cannabinoide [hochgiftige Substanzen] sind in vielen\n\tL\u00e4ndern verboten der Welt]. Zorin selbst bestritt bei der\n\t\u00e4rztlichen Untersuchung den Drogenkonsum.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Angeklagten\n\tnutzen die M\u00f6glichkeit, den Zeugen zu befragen. Ptschelinzev\n\tkommentiert, dass Zorin gar nicht auf dem Konsens-Semiar im Februar\n\t2017 war, sondern es mit einem anderen Ausflug im M\u00e4rz nach\n\tPetersburg zum gemeinsamen Abh\u00e4ngen verwechseln w\u00fcrde. Au\u00dferdem\n\tau\u00dfert er die vermutung, das Zorin Drogen untergeschoben worden\n\tsind, woraufhin er ein Gest\u00e4ndnis unterschreieb und Grundlage f\u00fcr\n\tden gesamten Netzwerk-Fall lieferte. Im Gesrp\u00e4ch mit Schakurskij\n\twurde deutlich, dass ihre gemeinsame Reise nach Petersburg du ezu\n\tder vermeintlichen Zusammenkunft, wie es in der Ermittlung hei\u00dft,\n\thandelt. Im Gespr\u00e4ch mit Arman wird deutlichm dass Zorin nie\n\tAirsoft gespielt hat, aber meint bei Trainings einer\n\tTerrororganisation mitgemacht h\u00e4tte. Auf Kuksovs Nachfrage, ob\n\tZorin plante mit einem Gest\u00e4ndnis in Haft zu gehen, meinte dieser,\n\tdass er sein Gest\u00e4ndnis schrieb, nachdem ihm Sicherheitsbeamte, an\n\tderen Namen er sich nicht erinnert, das Strafgesetzbuch gezeigt\n\thatten: &#8220;Mir wurde erkl\u00e4rt, was ich tat und an was ich\n\tteilgenommen hatte. Ich wusste, dass ich ein Verbrechen begangen\n\thatte und nahm an, dass ich an einer terroristischen Organisation\n\tbeteiligt war. Deshalb schrieb er ein Gest\u00e4ndnis.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt lehnte\n\tder Richteer viele Fragen mit der Begr\u00fcndung, sie w\u00fcrden sich\n\tdoppeln, seien suggestiv, zu abstrakt oder f\u00fcr den Fall irrelevant,\n\tab. Er selbst kl\u00e4rte mit nur drei Fragen, dass es bei Festnahme\n\tkeine rechtswidrigen Methoden gab, dass es zwei Verh\u00f6re und eine\n\tGedgen\u00fcberstellung mit Schakurskij gab und dass seine\n\tStrafverfolgung im Netzwerkfall vor der Er\u00f6ffnung des Drogendeliks\n\teingestellt wurde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf richterliche\n\tNachfrage, sagen fast alle Angeklagten, dass sie Zorins Aussage\n\tgrundlegend nicht zustimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wurde sich\n\tgeeinigt den Zeuge vor erst zu entlassen und in regelm\u00e4\u00dfigen\n\tAbst\u00e4nden in anderen Phasen der gerichtlichen Untersuchung wieder\n\teunzubinden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Anatoly Vakhterov &#8211;\n\tder Anwalt von Ilya Shakursky, nannte Zorin einen &#8220;Schl\u00fcsselzeugen&#8221;\n\tund kommentierte die Ergebnisse:&#8221;Das Wichtigste war meiner\n\tMeinung nach, dass die Aufgang-Gruppe [angeblich eine Zelle der\n\tterroristischen Vereinigung, deren Gr\u00fcndung Shakursky zugerechnet\n\twird] nicht zwingend, sondern spontan als interne Bezeichnung der\n\tbeteiligten Personen, die zusammen trainierten. Die\n\tStaatsanwaltschaft bezichtigt Pchelintsev der Gr\u00fcndung des\n\t\u201eNetzwerks\u201c mit Unterabteilungen \u201e5.11\u201c und \u201eAufgang\u201c im\n\tJahr 2016. Dies wird jedoch von den Fallmaterialien nicht best\u00e4tigt,\n\tund Zorin wiederholte es. Dies beseitigt teilweise die eigentliche\n\tBeweisgrundlage f\u00fcr die Gr\u00fcndnung einer terroristischen\n\tVereinigung als einheitlichen und strukturierten Mechanismus. Und ob\n\tdies eine revolution\u00e4re Aktivit\u00e4t war, muss auch bewiesen werden\n\t\u201c, sagt Anatoly Vakhterov. Laut dem Anwalt wurden in den freien\n\tErz\u00e4hlungen von Zorin st\u00e4ndig die Ausdr\u00fccke \u201eIch denke schon\u201c,\n\t\u201eIch verstehe es so\u201c verwendet, was unzul\u00e4ssige Beweise sind\n\tund nicht als Grundlage f\u00fcr einen Strafprozess herangezogen werden\n\tkann (Artikel 75 der Strafprozessordnung). \u201eDies ist eine Form der\n\tVermeidung von Verantwortung: \u201cIch erinnerete mich fr\u00fcher besser\n\tals jetzt.&#8221; Aber im Allgemeinen gab es im Gest\u00e4ndnis von Zorin\n\tkeine Informationen, die uns schaden k\u00f6nnten,&#8221; sagte Wachter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Landgericht Pensa wurden am 27. und 28. Mai der erste Zeuge der Staatsanwaltschaft, Jegor Zorin, befragt. Er ist ein ehemaliger Angeklagten im Falls, der sein Gest\u00e4ndnis unterschrieb und vom Angeklagten zum Zeugen wurde. Die Befragung im Pensa Fall dauert acht Stunden. Zur Person. 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