{"id":3913,"date":"2019-05-15T19:25:09","date_gmt":"2019-05-15T16:25:09","guid":{"rendered":"https:\/\/rupression.com\/?p=3913"},"modified":"2019-08-01T19:08:00","modified_gmt":"2019-08-01T16:08:00","slug":"prozess-in-penza-der-erste-prozesstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rupression.com\/de\/2019\/05\/15\/prozess-in-penza-der-erste-prozesstag\/","title":{"rendered":"Prozess in Penza.Der erste Prozesstag"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 14. Mai begann\nvor dem Milit\u00e4rgericht des Wolga-Bezirks ein offenes Verfahren gegen\nsieben junge Anarchisten aus Pensa, die sich laut FSB\n[Inlandsgeheimdienst der Russischen F\u00f6deration, Anm.d.\u00dc.] in der\nterroristiscjen Vereinigung \u201eNetzwerk\u201c zusammengeschlossen\nhatten, um die Regierung der Russischen F\u00f6deration zu st\u00fcrzen.\nZeitgleich nahm das Moskauer Bezirksmilit\u00e4rgericht die Anh\u00f6rung\nzweier Angeklagter aus dem Fall St. Petersburg auf. Als F\u00fchrer des\n&#8220;Netzwerks&#8221; &#8211; obwohl es sowas in anarchistischen Bewegungen\nnicht gibt &#8211; werden Dmitry Pchelintsev und Ilya Shakursky\nbeschuldigt, die beide behaupteten, dass sie in der Strafanstalt\nPenza mit Strom gefoltert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei F\u00e4lle\n\tdesselben \u201eNetzwerks\u201c (der Name der in der Russischen F\u00f6deration\n\tverbotenen terroristischen Vereinigung), werden nun parallel\n\tbetrachtet. Gestern erschienen zum ersten Mal die sieben Angeklagte\n\tim Hauptfall Pensa auf der Anklagebank. Nach Angaben des FSB\n\t[Inlandsgeheimdienst der Russischen F\u00f6deration, Anm.d.\u00dc.]entstand\n\tin Penza sp\u00e4testens im Mai 2015 das \u201eNetzwerk\u201c der\n\tinterregionalen terroristischen Vereinigung mit dem Ziel,\n\t\u201eAnarchisten aus verschiedenen Regionen der Russischen F\u00f6deration\n\tzu Kampfgruppen\u201c zusammenzufassen, um das verfassungsm\u00e4\u00dfige\n\tSystem gewaltsam zu st\u00fcrzen, indem Geb\u00e4ude von\n\tSicherheitsbeh\u00f6rden, Beh\u00f6rden und \u00c4mtern und B\u00fcros von &#8220;Einiges\n\tRussland&#8221; besetzt werden. Die Rolle der Organisatoren (Teil 1\n\tvon Art. 205.4 des Strafgesetzbuchs der Russischen F\u00f6deration)\n\tsollen der 27-j\u00e4hrigen Schie\u00dflehrer Dmitry Pchelintsev und der\n\t23-j\u00e4hrigen Studenten Ilya Shakursky inne haben, denen dadurch bis\n\tzu 20 Jahren Haft drohen. Die Teilnahme am Netzwerk (Teil 2 von\n\tArtikel 205.4, bis zu 10 Jahren) wird Arman Sagynbayev, Wassili\n\tKuksov, Andrey Chernov, Michail Kulkov und Maxim Ivankin angelastet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Lesen der\n\tAnklage dauerte ungef\u00e4hr zweieinhalb Stunden. Das Dokument besagt,\n\tdass Mitglieder der Vereinigung Kampf- und Jagdwaffen erworben und\n\tSprengs\u00e4tze hergestellt, B\u00fccher gelesen, die terroristische\n\tHandlungen &#8220;gerechtfertigten&#8221; und in der Natur trainiert\n\thaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Untersuchung\n\tgeht davon aus, dass Ilya Shakursky f\u00fcr die Erforschung von Orten\n\tund Objekten potenzieller Angriffe verantwortlich war. Arman\n\tSagynbayev war angeblich f\u00fcr den Umgang mit Sprengk\u00f6rpern und\n\tBrandmischungen verantwortlich, Mikhail Kulkov f\u00fcr die medizinische\n\tBetreuung, Andrei Chernov f\u00fcr die Kommunikation. Neben dem\n\tHauptartikel werden die Angeklagten Pchelintsev, Kuksov und\n\tShakursky des illegalen Besitzes von Schusswaffen (Teil 1 von\n\tArtikel 222), letzterer zus\u00e4tzlich noch von Sprengstoffen (Teil 1\n\tvon Artikel 222.1) angeklagt. Au\u00dferdem wird Herrn Pchelintsev\n\tvorgeworfen, im Jahr 2011 versucht zu haben, das Kreiswehrersatzamt\n\tvon Pensa in Brand zu stecken (Artikel 167 Teil 2 und Artikel 30\n\tTeil 3), und Herrn Chernov, Ivankin und Kulkov wird vorgeworfen,\n\tversucht zu haben, Drogen in gro\u00dfem Umfang herzustellen oder zu\n\tverkaufen ( Teil 4 von Artikel 228.1 zusammen mit Teil 3 von Artikel\n\t30). F\u00fcnf Angeklagte bestreiten die Beteiligung an den ihnen zur\n\tLast gelegten Straftaten in vollem Umfang, die Angeklagten Kulkov\n\tund Ivankin bekannten sich schuldig an dem versuchten Verkauf von\n\tDrogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird angemerkt,\n\tdass die Ermittlungen im Fall \u201eNetzwerk\u201c nach einer Verhaftung\n\tin Zusammenhang mit Drogen begannen und dann &#8211; mit dem Erscheinen\n\teines anderen Beschuldigten in Penza, Jegor Zorin, am 18. Oktober\n\t2017. Nachdem er gegen die anderen Aussagen machte, wurde sein Fall\n\t&#8211; Teilnahme am &#8220;Netzwerk&#8221; &#8211; eingestellt (jedoch in einem\n\tgesonderten Verfahren wird ihm Besitz von Drogen unterstellt).\n\tGleichzeitig sagten drei der Angeklagten, die gestanden hatten, dass\n\tsie ihre Aussage zur\u00fcckgezogen hatten, da sie unter Folter\n\tabgegeben wurde. Arman Sagynbayev, der in St. Petersburg inhaftiert\n\tist, behauptet, er sei in einem Auto auf dem Weg nach Penza, Dmitry\n\tPchelintsev und Ilya Shakursky der pensaer U-Haft-1 mit\n\tElektroschocks gefoltert worden. \u00dcber Folter in der gleichen U-Haft\n\tam Vorabend des Prozesses im &#8220;Netzwerk&#8221;-Fall berichtet\n\tauch der Gesch\u00e4ftsmann Alexey Shmatko, dem in London Asyl gew\u00e4hrt\n\twurde (Sein k\u00fcrzlich an den Pr\u00e4sidenten der Russischen F\u00f6deration\n\tgerichteter Appell zu diesem Thema wurde an die Staatsanwaltschaft\n\tder Region Pensa und das Untersuchungaausschuss der Russischen\n\tF\u00f6deration verwiesen).<\/p>\n\n\n\n<p>Dmitry Pchelintsev,\n\tVasily Kuksov und Ilya Shakursky behaupteten laut Akte auch, dass\n\tihnen Waffen untergeschoben wurden (bei den ersten beiden im Auto,\n\tbei letzteremn in der Wohnung). Dar\u00fcber hinaus erkl\u00e4rte Dmitry\n\tPchelintsev, der Ermittler Valery Tokarev habe ihn erpresst und ihm\n\twegen Verweigerung von Gest\u00e4ndnissen gedroht ihn einer schwere\n\tAnklage wegen Leitung des &#8220;Netzwerks&#8221; zu belasten.\n\tGleichzeitig bestanden sowohl die als vermeindliche F\u00f6hrer\n\tbeschuldigten als auch die &#8220;einfachen&#8221; Beschuldigten\n\tdarauf, dass keiner von ihnen &#8220;F\u00fchrungsverantwortung&#8221;\n\thabe, da die &#8220;horizontale&#8221; Struktur und das Fehlen von\n\tF\u00fchrern das Schl\u00fcsselprinzip der Selbstorganisation von\n\tAnarchisten sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Angeklagte aus\n\tPenza sollten in den kommenden Tagen per Videoverbindung als Zeugen\n\tim Fall ihrer Genossen aus St. Petersburg sprechen &#8211; Viktor\n\tFilinkov, der die Teilnahme am \u201eNetzwerk\u201c bestreitet, und Yuli\n\tBoyarshinova, der sich schuldig bekannte. In diesem Prozess, der\n\tnach der Pause am 14. Mai wieder aufgenommen wurde, trat der in St.\n\tPetersburg lebende Igor Shishkin, der einen Deal mit den\n\tErmittlungen abgeschlossen hatte und bereits im Januar f\u00fcr\n\tdreieinhalb Jahre verurteilt worden war, als Zeuge auf. Er sagte\n\tnicht gegen die Angeklagten aus, er habe noch nie mit Filinkov\n\ttrainiert, er habe ihn nur zweimal gesehen und er habe vom\n\tH\u00f6rensagen \u00fcber seine Teilnahme am Netzwerk gewusst. Die Fragen\n\tder Verteidigung von Filinkov wegen undokumentierter 42-st\u00fcndiger\n\tInhaftierung und angeblicher Folterung von Igor Shishkin wurde vom\n\tGericht abgelehnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. 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